Rasante Komödie anlässlich des kirchlichen Seniorentreffs

«D Tante Adelheid spinnt»

Die beiden Kirchen von Dietlikon und Wangen-Brüttisellen haben zum vorweihnachtlichen Seniorentreff im Gesellhof eingeladen. Dort erleben die Gäste die Theatergruppe Silberfüchse aus dem Toggenburg mit einer amüsanten Komödie in drei Akten «D Tante Adelheid spinnt», bevor es mit einem feinen Zvieri zum gemütlichen Teil übergeht.

Die langen Tische im Gemeindesaal im Gsellhof sind vorweihnachtlich geschmückt. Rund 60 Gäste werden erwartet. Noch ist alles ruhig, während die ersten Gäste eintreffen. Sie werden persönlich mit einem Flyer und einem Schoggi-Glückskäfer von der Vereinspräsidentin Astrid Brandner der Theatergruppe empfangen. Hell erleuchtet vorn auf der Bühne die von der Gruppe selber gebaute Theaterkulisse.

Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen zur Theateraufführung auf Hochtouren: die einen sind in der Schminke, andere nehmen letzte Anpassungen am Bühnenbild vor. Der halb geöffnete Bühnenvorhang macht neugierig. Diskret neben der Bühne kommt leise Hektik auf. Gefordert sind jetzt die Techniker: Die Lautsprecher laufen nicht.

Wenige Minuten vor Beginn die gute Nachricht: alles läuft, alles ist bereit für den Auftritt.

In der Zwischenzeit hat sich der Saal gefüllt. Ein weiterer Tisch wird angefügt – Sesselrücken, wo ist noch ein Stuhl frei? Man kennt sich, bereits ist angeregtes Plaudern hörbar, bevor es still wird: Diakon Michael Eismann von der katholischen Kirche Dietlikon begrüsst die Anwesenden und stimmt die Zuschauer auf einen vergnüglichen Nachmittag ein mit der Tante Adelheid, die Geburtstag hat. Der Vorhang geht auf. In drei Akten erleben die Zuschauer die im St. Galler Dialekt vorgetragene Komödie der Tante Adelheid, wie sie ihren geldgierigen Verwandten ein Schnippchen schlägt.

Die reiche, ledige Tante Adelheid steht in ihrer Stube und erwartet die Verwandtschaft

Während die resolute Tante Adelheid ihren Gästen einen Wermuttee als Apero servieren lässt, wird rasch klar: die Verwandten interessieren sich ausschliesslich fürs Geld der reichen Tante. Sie werweissen, woher wohl der grosse Reichtum der Tante kommen möge. Diese macht kein Hehl daraus, dass sie die Absichten ihrer Verwandten durchschaut hat. Sie aber kenne das ZGB und wisse, dass sie ihnen, dieser unehrlichen «Brut», nichts vermachen müsse. Sie wolle ihr Vermögen einer Person vererben, die es verdient hat, verkündet sie den Verwandten:

«Wer ehrlich zu mir ist und es am Nötigsten hat, der wird etwas von mir erben!»

Tante Adelheid hat die Geburtstagsfeier vorzeitig verlassen, da trifft sie zuhause auf einen Einbrecher. Sie bedroht ihn beherzt mit einer Pistole. Er steht mit erhobenen Händen, während sie ihn in ein Gespräch verwickelt, sich amüsiert ob den wertlosen gestohlenen Sachen und ihm den Tresor zeigt, wo er sich bedienen darf. Rasch wird klar: der arbeitslose, bedürftige Einbrecher ist ihr Sohn Jack, den sie nach der Geburt vor dem Waisenhaus abgelegt hatte. Der Kindsvater hatte Adelheid für die Abtreibung Geld gegeben, was sie jedoch nicht tat. So entstand vor langer Zeit ihr Reichtum. Im Gespräch zeigt sich Jack ehrlich und direkt. Er bezeichnet Adelheid als durchtrieben und nicht gerade nett zu den Verwandten. Jack gefällt Adelheid, und es kommt, wie es kommen muss: Sie macht ihn zum Alleinerben und eröffnet ihrer Verwandtschaft, dass sie mittellos geworden sei durch den Einbrecher. Die geldgierige Verwandtschaft zieht unter Protest ab.

«dAdelheid spinnt» ertönt zum wiederholten Mal.

In einem Brief an Adelheid erklärt Jack, dass er das Erbe ausschlage. Viel lieber wolle er Adelheid auf die geplante Reise nach Sizilien und auf die äolischen Inseln begleiten. Zu Zweit reisen bereite mehr Freude. Ein netter Kerl, der mir nachschlägt, bemerkt sie. Tante Adelheid sitzt im Lehnstuhl, und denkt nach – der Vorhang fällt.

Dem Publikum hat’s gefallen.

Etwas zögerlich erst, dann aber lange anhaltend klatscht das Publikum, während die Theatergruppe vorgestellt wird: allesamt Seniorinnen und Senioren aus dem Toggenburg mit riesiger Begeisterung und Engagement fürs Theaterspiel. Heute sei ihr 36. Auftritt der Gruppe gewesen, im Frühjahr seien es dann 50 Auftritte. Und ein neues Theaterstück sei bereits in den Startlöchern. Man darf sich darauf freuen!

Die Zuschauer haben beste Unterhaltung geniessen dürfen. Manch köstliches Detail hat die Anwesenden zum Lachen gebracht und eine schöne, entspannte Stimmung verbreitet. Gerade richtig, um in den zweiten Teil überzuleiten.

Plaudern beim feinen Zvieri

Pfarrer Severin Hirt von der reformierten Kirche Wangen-Brüttisellen bedankt sich bei der Theatergruppe Silberfüchse, bei allen, die das Treffen möglich gemacht haben und lädt die Anwesenden zu einem feinen Zvieri mit Chäs- und Spinatwähe ein. Während die Herren Hirt und Eismann den Gästen Wein einschenken, und viele Helferinnen Teller um Teller aus der Küche tragen, wird der Lärmpegel lauter: eine gemütliche Plauderrunde beginnt und rundet den Nachmittag ab.

 

 

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